Die Schweiz im Klimawandel: Rasches Handeln bietet viele Vorteile
Mit einer kohärenten, vorausschauenden Klimapolitik kann die Schweiz Risiken begrenzen und gleichzeitig die Chancen einer nachhaltigen Entwicklung nutzen, national wie global, heisst es im am Donnerstag veröffentlichten Bericht «Brennpunkt Klima Schweiz» der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Dabei bringe rasches Handeln zahlreiche Vorteile.

Um den Klimaschutz zu beschleunigen, gibt es gemäss den Forschenden mehrere Hebel: Ein gut abgestimmter Mix aus Regulierung, Förderung und marktbasierter Lenkung; die Umlenkung öffentlicher und privater Investitionen in eine klimafreundliche, resiliente Infrastruktur und Energieproduktion, sowie der Abbau von Subventionen für fossile Energieträger. Kreislaufwirtschaft und verhaltenslenkende Instrumente sind weitere Hebel, um Emissionen strukturell und dauerhaft zu senken. Viele der Klimaschutz- und Anpassungsmassnahmen haben wichtige Zusatznutzen: Sie verbessern die Luftqualität, die Gesundheit, sowie die Lebensqualität, Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit und bieten neue wirtschaftliche Chancen.
Ausbau der Massnahmen in vielen Bereichen möglich und nötig
Die bisherigen Massnahmen im Klimaschutz und in der Klimaanpassung reichen nicht aus, um die gesetzlich verankerten Ziele zu erreichen, insbesondere im Verkehrs- und im Wärme- bzw. Gebäudebereich, schreiben die Forschenden. Auch der Finanzplatz Schweiz mit seinen grossen Kapitalmengen könnte eine Schlüsselrolle spielen und den Klimaschutz und die Klimaanpassung national wie auch global deutlich mehr unterstützen als bisher. Ein Teil der geplanten Zielerreichung der Schweiz (Halbierung der Emissionen bis 2030) beruht ausserdem auf dem Zukauf ausländischer Emissionsgutschriften. Die Forschenden weisen darauf hin, dass dies kurzfristig kostengünstiger sein mag, mittel- bis langfristig jedoch die nötigen Massnahmen im Inland verzögere, um bis 2050 wie geplant netto null zu erreichen.
Jede Reduktion der Emissionen vermindert die Risiken
Der Weltklimarat erwartet, dass die globale Erwärmung in wenigen Jahren das Temperaturlimit gemäss Pariser Übereinkommen von +1,5 °C erreicht. Jedes Zehntelgrad an weiterer Erwärmung, das durch Treibhausgasemissions-Reduktionen verhindert werden kann, ist jedoch weiterhin bedeutsam und kann viele negative Auswirkungen wie beispielsweise das Überschreiten von Kipppunkten mit abrupten und irreversiblen Änderungen im Klimasystem verhindern. Auch wird die Anpassung an den Klimawandel mit zunehmender Erwärmung immer teurer und teilweise nicht mehr möglich sein.
Schweiz ist überdurchschnittlich betroffen und verantwortlich
Die Schweiz erwärmt sich mehr als doppelt so schnell und erreichte 2025 gerade eine +3 °C wärmere jährliche Durchschnittstemperatur gegenüber der vorindustriellen Referenzperiode. Insbesondere Extreme wie Hitzewellen, Starkniederschläge und Trockenperioden nehmen dadurch weiter an Häufigkeit und Intensität zu. Das Schmelzen von Gletschern und Permafrost erhöht die Naturgefahren vor allem in den Alpen und macht sowohl dem Tourismus als auch den Ökosystemen zu schaffen.
Beim Klimaschutz steht die Schweiz in besonderer Verantwortung: Berücksichtigt man auch die durch den Schweizer Konsum verursachten Emissionen im Ausland, die zwei Drittel der Schweizer Treibhausgasemissionen ausmachen, gehört sie zu den Ländern mit den höchsten Pro-Kopf-Emissionen weltweit. Für diese importbedingten Emissionen fehlen bisher sowohl Ziele als auch Massnahmen. Die Schweiz kann als reiches Land eine wichtige Vorbildwirkung haben.
Fundierte Grundlage für klimapolitische Entscheide
Basierend auf Berichten des Weltklimarates IPCC hat ProClim, das Forum für Klima und globalen Wandel der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT), zusammen mit rund 60 Forschenden den Bericht «Brennpunkt Klima Schweiz» verfasst. Er ergänzt die internationalen Erkenntnisse zum Stand und Umgang mit dem Klimawandel mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zur spezifischen Situation in der Schweiz. Dabei fasst er den neuesten Forschungsstand zu acht verschiedenen Themengebieten wie Wasser, Wald, Biodiversität und Wirtschaft & Gesellschaft zusammen. Er kann von Entscheidungstragenden in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft als Entscheidungsbasis und als Nachschlagewerk genutzt werden. Begleitend dazu bietet der Kurzbericht einen prägnanten Überblick der wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse des Berichts.
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Dr. Urs Neu
SCNAT
Forum for Climate and Global Change (ProClim)
House of Academies
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